Archive für Februar 2010

Ende der Liquiditätsschwemme! Was nun?

Im Sommer 2009 hat die EZB das europäische Bankensystem mit einer umfangreichen -fast unbegrenzten- Liquiditätsspritze geholfen. Das ganze geschah auch zu traumhaften Konditionen. Für ein Jahr konnten sich die Banken Geld zu einem festen Zinssatz von 1,0 % p.a. leihen. Ende des 1. Halbjahres 2010 werden diese Gelder zur Rückzahlung an die EZB fällig. Die Summe dieser Rückzahlung: ca. 440 Mrd € (440.000.000.000,– €).

Welche Auswirkungen wird diese Fälligkeit haben?

Nach unserer Auffassung dürfte damit die Liquiditätshausse an den Renten- und Aktienmärkten einen Dämpfer bekommen. Noch stärker als der Aktienmarkt dürfte der Rentenmarkt leiden; insbesondere die allseits so geschätzten Bundesanleihen könnten auch darunter leiden und durch Verkäufe zu Kursverlusten führen. Das wunderbare risikolose Spiel der Banken ist dann (vorerst?) vorbei. Für 1,0 % Geld leihen und in Bundesanleihen kurzer Laufzeit mit Renditen von drei und mehr Prozent angelegt, bescherten den Banken wunderbare Gewinne in den Bilanzen 2009.

Wenn parallel -oder auch später- die EZB den Leitzins von derzeit 1,0 % auf nur 1,5 % anhebt, dann dürften langlaufende Bundesanleihen (zehn Jahre Laufzeit) einen Kursverlust von guten 6% bis 6,5% erleiden. Dann gibt es trotz Zinsen für den Anleger ein Minusgeschäft von ca. 3,5% (ohne Steuern!). Es bleibt eigentlich nur noch die Frage, wann die Profis anfangen die Liquidität frei zu machen?

Achten Sie auf Ihre private Altersvorsorge - oder: Wie gefährlich steht es um die Versicherungen?

Die Lebensversicherung ist in Deutschland eine sehr beliebte Anlageform und Möglichkeit der Altersvorsorge. Aktuell stellt sich die Frage, wie sicher ist die Geldanlage bei Versicherungsgesellschaften? Über die Unsicherheit bei Banken wird seit der Lehman Pleite gesprochen; über die Versicherungen bisher kaum. Das Thema ist aber aktueller denn je. Versicherungen haben überwiegend nur noch festverzinsliche Wertpapiere für Anlagen der Gelder der Versicherten gewählt. Bei der Allianz soll der Anteil festverzinslicher Wertpapiere bei fast 90 % liegen und ein Volumen von ca. 360 Mrd. EURO haben. 35 % hiervon sind wohl in Staatsanleihen angelegt.

In einer aktuellen Studie der US Bank J.P. Morgan hat sie die “PIIGS Engagements” großer Versicherungen analysiert. Zu diesen Versichererungen zählen Allianz, Munich Re (Ergo, Victoria), Zurich, Swiss Re, Generali und Fortis. Nach dieser Studie befindet sich im”fixed income Portfolio” der Allianz in Höhe von 360 Mrd. € ein Anteil von ca. 3,6 Mrd. € in griechischen Staatsanleihen, 6,3 Mrd. € in spanischen Staatsanleihen, 800 Mio. € in irischen Staatsanleihen und 25,3 Mrd. € in italienischen Staatsanleihen. In der Summe also ca. 36,0 Mrd. € in Staatsanleiehnder PIIGS Staaten! Das sind insgesamt 10 % des gesamten “fixed income Portfolios” der Allianz! Bei der Munich Re sind es wohl nur gut 3 % an Engagement in Staatsanleihen der PIIGS Staaten.

Anhand dieser Zahlen lässt sich leicht vorstellen, welche Kettenreaktion eine Pleite der PIIGS Staaten auslösen würde. Die Verluste würde letztlich der Privatkunde -sei es als Versicherungsnehmer oder als Aktionär der Versicherungen- tragen müssen.

Deutschland rettet den EURO!?

Die Nachricht schlägt wie eine Bombe an den Finanzmärkten ein. Der EURO gewinnt ad hoc fast zwei Cent an Wert gegenüber dem US Dollar; die Risikoprämien brechen ein. Der Grund: Deutschland will Griechenland retten.

Kann dies wirklich eine Rettung sein? Insbesondere stelt sich die Frage, ob sich Deutschland dies in der derzeitigen Verfassung selbst leisten kann? Ist diese Hilfe wirklich die Rettung für den EURO oder kommen die anderen PIIGS Staaten dann auch und betteln um Hilfe?

Die ganze Rettungsaktion kann doch nicht wirklich ernst gemeint sein. Der Markt ist immer stärker als die Politik! Wenn der Markt die Rettung nicht will, dann kommt die Rettungsaktion einer Plünderung der helfenden Staaten gleich. Ist der EURO derzeit vielleicht gar ein Drogenjunkie der jetzt eine neue Spritze bekommt und somit für einige Zeit wieder wohlauf ist? Langfristig ist diese Aktion unsinnig, denn das Leid muss beim Übel bekämpft werden und nicht durch neuerliche Drogen! Kern aller Handlungen muss es sein, dem Markt das Vertrauen wiederzugeben. Dieses Vertrauen kann nicht über politische Hilfsaktionen erreicht werden, sondern nur durch Bereinigungen. Diese Bereinigung ist nur durch den Untergang einzelner Marktteilnehmer zu erreichen.

Fazit: Bleiben Sie bei den Kapitalanlagen sehr wachsam; die Märkte reagieren in einem hohen Tempo und die Volatilitäten werden größer. Hohe Volatilitäten sind der Beginn einer scharfen Korrektur!

Kennen Sie die PIIGS Staaten?

Vermutlich ist Ihnen die Bezeichnung PIIGS Staaten bisher wenig geläufig. Wir fürchten aber, dass wir uns alle an diese Formulierung gewöhnen müssen.

PIIGS Staaten sind die Staaten Portugal, Irland, Italien, Griechenland und Spanien. Auf diese Staaten werden aktuell die höchsten Wetten abgeschlossen; in den sog. CDS (credit default swaps). CDS sind Kreditausfallversicherungen, diese werden als “Speads” zu guten Schuldnern gehandelt. Je höher der Spread, desto höher die Erwartung, dass der Wettkandidat pleite geht. Derzeit ist es gerade wieder soweit, wie zu Zeiten kurz vor der Lehman Pleite. Nur diesmal ist es keine Bank die droht auszufallen, sondern ein oder mehrere Staaten. Diese Staaten sind ausgerechnet auch noch Mitglieder des EURO Raumes. Wer sollte also in einem solchen Falle helfen? Es können nur die anderen EURO Länder oder die Weltbank sein. Ob dies stark genug ist gegen die Spekulanten? George Soros hat schon einmal gegen das britische Pfund gewettet; sein Wettgegner war die Bank of England. Sie war seinerzeit auch gleichzeitig der Verlierer der Wette. Die Spekulanten wetten also auf einen Zerfall des EURO; der US Dollar marschiert steil aufwärts, das Gold ist in Lauerstellung knapp über 1.000 $ je Feinunze.

Was passiert in der nächsten Zeit?

Die Antwort ist weider einmal die 50:50 Chance. Entweder es gibt eine geräuschlose Stützung des EURO bzw. der PIIGS Staaten (zum Beispiel durch einen EU garantierten PIIGS Bond), oder aber es kommt zu einem großen Knall. Der Knall dürfte dann nur um ein vielfaches heftiger sein als vor knapp 1 1/2 Jahren als Lehman pleite ging.  In diesem Falle wäre der Domino Effekt und die Wertberichtigungen viel größer. Das zarte Pflänzchen der wirtschaftlichen Erholung würde von einem Tsunami weggespült werden. Das Blutbad am Rentenmarkt wäre vorprogrammiert; die Aktienkurse würden fallen und die alten Tiefs testen (vielleicht sogar die 2.200 Punkte im DAX aus dem Jahre 2003?).

Wenn wir nunmehr alle Rahmendaten und aktuellen Entwicklungen zusammenfassen, dann wird für uns schnell aus der 50:50 Antwort eine 70:30 Antwort; leider zu 70 % zu Gunsten des Horrorszenarios. Bereiten wir unsvor auf bewegte Zeiten in den komenden Monaten!

Der EURO - der Countdown läuft?

Mit sehr großer Aufmerksamkeit verfolgen wir die Entwicklungen in den ersten Wochen des Jahres 2010. Nachdem zum Jahreswechsel sich an den Börsen eine positive Stimmung zeigte, drehen die Märkte seitdem wieder in Richtung Süden. Die Verunsicherung wächst. Getrieben wird diese Verunsicherung aber insbesondere durch die Frage, ob der EURO hält? “Griechenland” ist derzeit in aller Munde; die Konsequenz bisher: Der EURO hat sich gegenüber dem US Dollar von über 1,50 € je US $ auf unter 1,40 € ermäßigt. Ist das der Beginn des EURO-Verfalls? Von einer Stärke des US $ kann wohl kaum gesprochen werden. Wobei die langfristigen Zyklen zu beachten sind; demnach könnte sich charttechnisch eine Schwäche des EURO ankündigen. Spannend dürfte insbesondere die Frage werden, wer denn zuerst die Leitzinsen anhebt? Die FED oder die EZB? Spätestens dann kommt das Argument der Währungskursveränderungen aufgrund der Zinsdifferenzen wieder aus der Schublade.

Doch zurück zum EURO und seinem Problem. Griechenland ist erst der Anfang. Wenn die EZB bzw. die Mitgliedstaaten des EURO Raumes eine Stützung Griechenlands zusagen würden, dann kommen die nächsten Wackelkandidaten aus den Löchern: Spanien, Portugal, Italien… Wer noch? Drohende Staatspleiten im EURO Raum; vor wenigen Jahren noch undenkbar. Beachtenswert ist die Aussage von PIMCO -dem größten Vermögensverwalter für festverzinsliche Wertpapiere weltweit- dass derzeit Staatsanleihen als Anlagen gemieden werden; mit Ausnahme der Staatsanleihen der Bundesrepublik Deutschland. Die Begründung: Deutschland hat eine Schuldenbremse gesetzlich verankert. Was kann man daraus interpretieren? Von allen anderen Ländern wird erwartet, dass sie weiterhin Schulden bzw. Defizite machen und somit langfristig die Inflation anheizen.

Inflation ist und bleibt die letzte Hoffnung. Mit einer Inflation - idealerweise schleichend und moderat - lassen sich die öffentlichen Haushalte und deren Belastungen langsam mindern. Wobei dies immer noch “billiger” sein dürfte als ein Zerfallen des EURO.

Fazit: Die Inflation wird die nächste indirekte Steuererhöhung sein um den Bürger an den Folgen der Finanzkrise zu beteiligen und den EURO krampfhaft zusammenzuhalten.

Welche Auswirkungen hat dies für Kapitalanleger?

Geldwerte (Sparkonten, Festgelder, Versicherungspolicen, festverzinsliche Wertpapiere) werden weniger “Wert”.  Vielleicht ist der “totgesagte” US Dollar dann doch für die kommenden Jahre die attraktivere Anlagewährung?

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